Donnerstag, 2. Februar 2017

[Rezension] Alexander Hartung - Ich werde nicht ruhen


Wollen Sie mich zu einem Mord begleiten? Ich meine einen richtigen Mord. Nichts Virtuelles, keinen Rufmord oder so was. Das ist auch keine Metapher. Ich rede davon, einen Menschen zu töten. 
Bitte ersparen Sie mir eine Moralpredigt. Ich weiß, was ich tue.

Nicht jeder, der tötet, ist gleich ein Wahnsinniger.

Vielleicht hat der Mann auch den Tod verdient. Möglich wäre es doch. Was sagen Sie? Wollen Sie mitkommen? Aber dann gibt es kein Zurück.
Überlegen Sie es sich gut.



Man erfährt nicht viel über den Hauptcharakter Carl Harmer. Gleich zu Beginn begleitet man ihn bei einem Mord. Einem Mord, mit dem er Rache für den Einsturz eines Gebäudes nimmt. Eines Gebäudes, in dem offensichtlich Menschen starben, die er kannte, möglicherweise auch liebte. Das ist alles, was dem Leser zunächst offenbart wird. Aber es genügt. Man kann sich in Carl hinein fühlen, auch, wenn er Drahtzieher foltert und tötet. 
Rückblicke aus der Vergangenheit sorgen dafür, dass man versteht, was ihn antreibt und motiviert. Sie lassen den Leser mitfühlen und -erleben.
Carl wirkt durch seine Taten unglaublich menschlich. Er ist ein starker Charakter, den man zwangsläufig lieb gewinnt.
Bis auf Carl bleiben alle Charaktere eher blass, weil deren Entwicklung für den Fortgang der Geschichte nicht wichtig ist. Einzig Carl ist bedeutsam. Auf seinem Rachefeldzug lernt er zwar noch Zhai kennen, aber auch sie bleibt eher undurchsichtig. Das stört aber nicht weiter. Ich finde, allein mit der Charakterdarstellung von Carl hat der Autor etwas geleistet.



Der Klappentext verrät nicht zu viel und letztendlich ist die Geschichte so ganz anders als der Klappentext vermuten lässt. Sie ist obendrein noch grandios, ideenreich und super umgesetzt.
Zu vielen Themen muss der Autor eine ausführliche Recherche gemacht haben. Ich bin zwar nicht vom Fach was Einbruchswerkzeuge, Betäubungsmittel, IT-Belange u.a. angeht, aber alles erscheint mir stimmig ausgearbeitet.  
Es gibt auch eine dezente Liebesgeschichte, die angenehm im Hintergrund abläuft und nicht zu viel Platz einnimmt.



Der Schreibstil ist flüssig und ansprechend. Gern folgt man den Zeilen des Autors. Es macht Spaß, bei der Entwicklung der Geschichte beizuwohnen.



Am Ende wird alles aufgelöst. Zum einen überraschen die letzten Seiten, zum anderen sind sie auch unglaublich traurig. Mit der Auflösung habe ich nicht gerechnet.



Alexander Hartung überzeugt mit einer ideenreichen Story, die grandios umgesetzt ist und eine stimmige Hintergrundrecherche aufweist. Der Hauptcharakter kann menschlicher nicht sein und macht das Lesen zu einem mitfühlenden Erlebnis.
4 1/2 von 5 Isis'



Ich bedanke mich ganz herzlich bei Edition M und NetGalley für das Rezensionsexemplar.


Hier kaufen: Ich werde nicht ruhen



Kommentare:

  1. Deine Rezension liest sich sehr interessant. Ich mag es total gern, wenn man beim lesen spürt, wie sehr und fundiert ein Autor recherchiert hat.

    Ich werde nicht ruhen, werde ich mir defintitv mal näher anschauen.

    Vielen Dank für deine Rezi und ganz liebe Grüße

    Nisnis

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    Antworten
    1. Huhu Nisni :D
      Ich finde es auch toll, wenn der Autor sich mit seinem Thema ausführlich beschäftigt und man als Leser sogar noch etwas dazu lernen kann. Schön, wenn ich dir das Buch schmackhaft machen konnte. Es ist es auf jeden Fall wert!
      Liebe Grüße
      Steffi

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